MAI 2026 - JANUAR 2027
WHAT PARADISE!?
DIMITRIS TZAMOURANIS IM DIALOG MIT DER SAMMLUNG REINKING








Zu sehen sind Werke von folgenden Künstlerinnen und Künstlern:
Janis Avotins, Richard Billingham, Alexandra Bircken, Sarah Braman, Daniele Buetti, Jake Chapman, Jimmie Durham, Henrik Eiben, David Falconer, Kendell Geers, Gelitin, Maria Gilbert, Miriam Goerdt, Jessica Jackson Hutchins, Folkert de Jong, Mike Kelley, Toshiya Kobayashi, Terence Koh, Douglas Kolk, Magda Krawcewicz, Nino Longobardi, Daniel Man, Matthew Monahan, Dermot O’Brien, C.O. Paeffgen, Seung Ah Paik, Jon Pylypchuk, Gerwald Rockenschaub, Markus Selg, George Segal, Shen Shaomin, Agathe Snow, Daniel Spoerri, Jan Smejkal, Filippos Tsitsopoulos, Dimitris Tzamouranis, Wolf Vostell und Zhang Yuan.
In Zeiten gesellschaftlicher und politischer Anspannung, mit brüchigen Gewissheiten und unsicherer Zukunft erscheint der Begriff des Paradieses zunächst befremdlich. Und doch lohnt sich gerade jetzt wieder eine intensivere Auseinandersetzung mit dieser Vorstellung. Nicht als Zufluchtsort, sondern als Denkfigur: als Frage, wie und wo wir uns selbst verorten.
Der italienische Theoretiker Antonio Gramsci beschrieb derartige Übergangsphasen gesellschaftlicher Neuorientierung als Momente, in denen das Alte vergeht, aber das Neue noch keine Form gefunden hat. In diesem Schwebezustand wachsen Phänomene, die sich schwer einordnen lassen. Es entsteht in uns ein Gefühl von Unübersichtlichkeit, das häufig als „monströs“ bezeichnet wird. Gemeint ist damit keine konkrete Bedrohung, sondern eine Wirklichkeit, die ihre bekannte Ordnung verloren hat.
What Paradise!? setzt genau hier an.
Die Ausstellung lässt die Malerei von Dimitris Tzamouranis mit Werken aus der Sammlung Reinking in einen tieferen Dialog treten. Geprägt von existenziellen Fragestellungen und einem Verständnis von Kunst als Spiegel werden die gezeigten Bilder und Skulpturen vom bloßen Ausstellungsstück zu einem Gegenüber, das zur Selbstfindung herausfordert: Wo stehe ich in meinem Leben? Woher komme ich? Wohin möchte ich? Was ist mir wichtig?
Auch die Malerei von Tzamouranis kreist um diese Form der Selbstbegegnung. Seine Figuren sind präsent und zugleich zurückgenommen, oft in sich gekehrt. Sie entziehen sich klaren Narrativen und öffnen stattdessen einen Raum der Konzentration. Seine Bildwelten sind geprägt von stiller Melancholie, körperlicher Präsenz und einer latenten Unsicherheit: Räume wirken entrückt, Beziehungen unbestimmt, Identitäten im Fluss.
Diese Position tritt in einen offenen Dialog mit Werken verschiedener künstlerischer Strategien und Generationen: Skulptur, Fotografie, Malerei und Arbeiten auf Papier begegnen sich in einem Spannungsfeld, das von Körperlichkeit, sozialer Realität, Erinnerung und medialer Überformung geprägt ist. Die beteiligten Künstlerinnen und Künstler untersuchen Fragen von Zugehörigkeit, Identität und gesellschaftlicher Konstruktion mit Mitteln der Fragmentierung, Überzeichnung oder schonungslosen Direktheit. In der Gegenüberstellung mit den Arbeiten der Sammlung entsteht ein Dialog, der somit weniger auf kollektive Deutung als auf persönliche Erfahrung zielt.
Das WAI versteht sich dabei als Ort, an dem etwas möglich wird, das im Alltag leicht verloren geht: die Begegnung mit sich selbst. Nicht als Flucht, sondern in der bewussten Auseinandersetzung mit grundsätzlichen Fragen und einem Innehalten in einer immer komplexer werdenden Gegenwart.
Das WAI ist eingebettet in einen Landschafts- und Skulpturenpark, in dem Pflanzen, Tiere und der Wandel der Jahreszeiten unmittelbar erfahrbar werden. Der Außenraum mit seinen Rehen, Pfau und Bienen, mit Wachstum und Vergänglichkeit bildet keinen Gegenentwurf zur Ausstellung, sondern ist deren Erweiterung. Die gedankliche und visuelle Selbstverortung, die im Ausstellungsraum beginnt, setzt sich draußen als körperliche und zeitliche Erfahrung fort. So entsteht eine Bewegung zwischen Innen und Außen: zwischen Bild und Landschaft, zwischen gedanklicher Reflexion und sinnlicher Wahrnehmung.
Vielleicht liegt eine große Kraft in genau dieser Bewegung - im Wechsel zwischen Betrachtung und Erfahrung, zwischen Selbstbefragung und Weltbezug.
What Paradise!? bleibt eine Frage. Ihre mögliche Antwort liegt nicht in den Bildern selbst, sondern in der Erfahrung, die sie in uns auslöst.
Über Dimitris Tzamouranis:
Der in Kalamata geborene und seit 1990 in Berlin lebende Künstler Dimitris Tzamouranis zählt zu den prägenden Positionen der zeitgenössischen figurativen Malerei. Seine künstlerische Laufbahn ist eng mit der kulturellen Dynamik des postmauerzeitlichen Berlins verbunden, wo er nach seinem Studium in Thessaloniki und als Meisterschüler an der Universität der Künste Berlin seine eigenständige Bildsprache entwickelte.
Internationale Aufmerksamkeit erlangte Tzamouranis durch zahlreiche Ausstellungen im institutionellen und galeristischen Kontext. Seine Werke wurden unter anderem auf der documenta 14 präsentiert. Wichtige Einzelausstellungen umfassen Mare Nostrum (Galerie Michael Haas, Berlin), No one is righteous by his own will (Parnassos, Athen) sowie Playground (Galerie Monica Ruppert, Frankfurt am Main). Eine umfassende retrospektive Würdigung seines Werks erfolgte bereits 2013 im Frissiras Museum in Athen und in der Kunsthalle Osnabrück. Darüber hinaus war er in zahlreichen internationalen Ausstellungen in Europa vertreten, darunter in Bern, Zürich, Mailand und Thessaloniki.
Tzamouranis’ großformatige Gemälde verbinden klassische Maltechnik mit einer vielschichtigen, erzählerischen Bildsprache. Seine Figuren erscheinen in sorgfältig komponierten, oft theatralisch anmutenden Szenen, deren Gesten und Konstellationen kunsthistorische, mythologische und religiöse Bildtraditionen aufgreifen und in gegenwärtige Zusammenhänge überführen.
Technisch knüpft er an die Tradition der Ölmalerei an und nutzt Leinwand, Holz oder Kupfer als Bildträger. Die präzise Ausarbeitung, kombiniert mit einer differenzierten Lichtführung, erzeugt eine intensive, nahezu cineastische Bildwirkung. Dabei bleiben die dargestellten Räume häufig ambivalent. Sie sind irgendwo angesiedelt zwischen realer Wahrnehmung und innerer Vorstellung.
Inhaltlich kreist sein Werk um grundlegende Fragen menschlicher Existenz: um Liebe, Verlust, Sehnsucht und der Suche nach Sinn. Historische und symbolische Referenzen verschränken sich mit aktuellen Themen, die politische und gesellschaftliche Realitäten reflektieren.
Tzamouranis’ Malerei steht exemplarisch für eine erneuerte Hinwendung zur Figuration in der Gegenwartskunst. Als Dialog zwischen Tradition und Gegenwart, zwischen technischer Virtuosität und psychologischer Tiefe. Seine Bilder entziehen sich eindeutigen Deutungen und eröffnen einen vielschichtigen Raum für Interpretation.
MAI 2026 - JANUAR 2027
WHAT PARADISE!?
DIMITRIS TZAMOURANIS IM DIALOG MIT DER SAMMLUNG REINKING








In Zeiten gesellschaftlicher und politischer Anspannung, mit brüchigen Gewissheiten und unsicherer Zukunft erscheint der Begriff des Paradieses zunächst befremdlich. Und doch lohnt sich gerade jetzt wieder eine intensivere Auseinandersetzung mit dieser Vorstellung. Nicht als Zufluchtsort, sondern als Denkfigur: als Frage, wie und wo wir uns selbst verorten.
Der italienische Theoretiker Antonio Gramsci beschrieb derartige Übergangsphasen gesellschaftlicher Neuorientierung als Momente, in denen das Alte vergeht, aber das Neue noch keine Form gefunden hat. In diesem Schwebezustand wachsen Phänomene, die sich schwer einordnen lassen. Es entsteht in uns ein Gefühl von Unübersichtlichkeit, das häufig als „monströs“ bezeichnet wird. Gemeint ist damit keine konkrete Bedrohung, sondern eine Wirklichkeit, die ihre bekannte Ordnung verloren hat.
What Paradise!? setzt genau hier an.
Die Ausstellung lässt die Malerei von Dimitris Tzamouranis mit Werken aus der Sammlung Reinking in einen tieferen Dialog treten. Geprägt von existenziellen Fragestellungen und einem Verständnis von Kunst als Spiegel werden die gezeigten Bilder und Skulpturen vom bloßen Ausstellungsstück zu einem Gegenüber, das zur Selbstfindung herausfordert: Wo stehe ich in meinem Leben? Woher komme ich? Wohin möchte ich? Was ist mir wichtig?
Auch die Malerei von Tzamouranis kreist um diese Form der Selbstbegegnung. Seine Figuren sind präsent und zugleich zurückgenommen, oft in sich gekehrt. Sie entziehen sich klaren Narrativen und öffnen stattdessen einen Raum der Konzentration. Seine Bildwelten sind geprägt von stiller Melancholie, körperlicher Präsenz und einer latenten Unsicherheit: Räume wirken entrückt, Beziehungen unbestimmt, Identitäten im Fluss.
Diese Position tritt in einen offenen Dialog mit Werken verschiedener künstlerischer Strategien und Generationen: Skulptur, Fotografie, Malerei und Arbeiten auf Papier begegnen sich in einem Spannungsfeld, das von Körperlichkeit, sozialer Realität, Erinnerung und medialer Überformung geprägt ist. Die beteiligten Künstlerinnen und Künstler untersuchen Fragen von Zugehörigkeit, Identität und gesellschaftlicher Konstruktion mit Mitteln der Fragmentierung, Überzeichnung oder schonungslosen Direktheit. In der Gegenüberstellung mit den Arbeiten der Sammlung entsteht ein Dialog, der somit weniger auf kollektive Deutung als auf persönliche Erfahrung zielt.
Das WAI versteht sich dabei als Ort, an dem etwas möglich wird, das im Alltag leicht verloren geht: die Begegnung mit sich selbst. Nicht als Flucht, sondern in der bewussten Auseinandersetzung mit grundsätzlichen Fragen und einem Innehalten in einer immer komplexer werdenden Gegenwart.
Das WAI ist eingebettet in einen Landschafts- und Skulpturenpark, in dem Pflanzen, Tiere und der Wandel der Jahreszeiten unmittelbar erfahrbar werden. Der Außenraum mit seinen Rehen, Pfau und Bienen, mit Wachstum und Vergänglichkeit bildet keinen Gegenentwurf zur Ausstellung, sondern ist deren Erweiterung. Die gedankliche und visuelle Selbstverortung, die im Ausstellungsraum beginnt, setzt sich draußen als körperliche und zeitliche Erfahrung fort. So entsteht eine Bewegung zwischen Innen und Außen: zwischen Bild und Landschaft, zwischen gedanklicher Reflexion und sinnlicher Wahrnehmung.
Vielleicht liegt eine große Kraft in genau dieser Bewegung - im Wechsel zwischen Betrachtung und Erfahrung, zwischen Selbstbefragung und Weltbezug.
What Paradise!? bleibt eine Frage. Ihre mögliche Antwort liegt nicht in den Bildern selbst, sondern in der Erfahrung, die sie in uns auslöst.
Über Dimitris Tzamouranis:
Der in Kalamata geborene und seit 1990 in Berlin lebende Künstler Dimitris Tzamouranis zählt zu den prägenden Positionen der zeitgenössischen figurativen Malerei. Seine künstlerische Laufbahn ist eng mit der kulturellen Dynamik des postmauerzeitlichen Berlins verbunden, wo er nach seinem Studium in Thessaloniki und als Meisterschüler an der Universität der Künste Berlin seine eigenständige Bildsprache entwickelte.
Internationale Aufmerksamkeit erlangte Tzamouranis durch zahlreiche Ausstellungen im institutionellen und galeristischen Kontext. Seine Werke wurden unter anderem auf der documenta 14 präsentiert. Wichtige Einzelausstellungen umfassen Mare Nostrum (Galerie Michael Haas, Berlin), No one is righteous by his own will (Parnassos, Athen) sowie Playground (Galerie Monica Ruppert, Frankfurt am Main). Eine umfassende retrospektive Würdigung seines Werks erfolgte bereits 2013 im Frissiras Museum in Athen und in der Kunsthalle Osnabrück. Darüber hinaus war er in zahlreichen internationalen Ausstellungen in Europa vertreten, darunter in Bern, Zürich, Mailand und Thessaloniki.
Tzamouranis’ großformatige Gemälde verbinden klassische Maltechnik mit einer vielschichtigen, erzählerischen Bildsprache. Seine Figuren erscheinen in sorgfältig komponierten, oft theatralisch anmutenden Szenen, deren Gesten und Konstellationen kunsthistorische, mythologische und religiöse Bildtraditionen aufgreifen und in gegenwärtige Zusammenhänge überführen.
Technisch knüpft er an die Tradition der Ölmalerei an und nutzt Leinwand, Holz oder Kupfer als Bildträger. Die präzise Ausarbeitung, kombiniert mit einer differenzierten Lichtführung, erzeugt eine intensive, nahezu cineastische Bildwirkung. Dabei bleiben die dargestellten Räume häufig ambivalent. Sie sind irgendwo angesiedelt zwischen realer Wahrnehmung und innerer Vorstellung.
Inhaltlich kreist sein Werk um grundlegende Fragen menschlicher Existenz: um Liebe, Verlust, Sehnsucht und der Suche nach Sinn. Historische und symbolische Referenzen verschränken sich mit aktuellen Themen, die politische und gesellschaftliche Realitäten reflektieren.
Tzamouranis’ Malerei steht exemplarisch für eine erneuerte Hinwendung zur Figuration in der Gegenwartskunst. Als Dialog zwischen Tradition und Gegenwart, zwischen technischer Virtuosität und psychologischer Tiefe. Seine Bilder entziehen sich eindeutigen Deutungen und eröffnen einen vielschichtigen Raum für Interpretation.
Zu sehen sind Werke von folgenden Künstlerinnen und Künstlern:
Janis Avotins, Richard Billingham,
Alexandra Bircken, Sarah Braman,
Daniele Buetti, Jake Chapman,
Jimmie Durham, Henrik Eiben,
David Falconer, Kendell Geers, Gelitin,
Maria Gilbert, Miriam Goerdt,
Jessica Jackson Hutchins, Folkert de Jong,
Mike Kelley, Toshiya Kobayashi, Terence Koh,
Douglas Kolk, Magda Krawcewicz,
Nino Longobardi, Daniel Man,
Matthew Monahan, Dermot O’Brien,
C.O. Paeffgen, Seung Ah Paik, Jon Pylypchuk,
Gerwald Rockenschaub, Markus Selg,
George Segal, Shen Shaomin, Agathe Snow,
Daniel Spoerri, Jan Smejkal,
Filippos Tsitsopoulos, Dimitris Tzamouranis,
Wolf Vostell und Zhang Yuan.
Folgen Sie uns auf Instagram
WOODS ART INSTITUTE
GOLFSTRASSE 5, 21465 WENTORF BEI HAMBURG
INFO@WOODSARTINSTITUTE.COM
@woodsartinstitute AUF INSTAGRAM
WAI WOODS ART INSTITUTE
GOLFSTRASSE 5
21465 WENTORF BEI HAMBURG